Das war knapp

Buchauszug: „Siehst du die Grenzen nicht, können sie dich nicht aufhalten“

Die Stiefel knirschen auf dem Sand in der Auffahrt. Zwei Männer. Sie schlagen mit ihren Fäusten an die Haustür und rufen laut: »Aufmachen«.

Die Tante, von den Kindern nur Godi genannt, öffnet die Haustür einen Spalt, schaut misstrauisch auf die Uniformen, bevor sie die Tür ganz öffnet, und kommt zögernd heraus.

»Guten Morgen. Was wollen Sie?«

»Wir kontrollieren.«

»Was denn?«, fragt sie forsch zurück. »Lisa, guck mal, die zwei Herren wollen was kontrollieren«, lacht sie ihrer Schwester entgegen, die inzwischen ebenfalls herausgekommen ist.

»Es wurde Anzeige erstattet, dass hier ein blindes Kind ist.«

Vorsichtig schielt die Godi in Richtung Innenhof, wo Mariechen, die fünfjährige Tochter ihrer Schwester, mit den Nachbarskindern spielt. Mariechen ist nicht blind, nur stark sehbehindert und ihr Liebling, weil sie Godis stotternden Sohn immer in Schutz nimmt.

Mariechen, du sollst nicht lügen, aber du darfst nie sagen, dass du nicht gut siehst. Wenn sie dich holen, sperren sie dich ein.

Wie oft hatten sie das dem Mädchen eingeschärft. Ist es umsonst gewesen? Ist es jetzt soweit?

Die Männer schauen der Tante ins Gesicht, warten auf eine Antwort. Zum Glück drehen sie den spielenden Kindern, die inzwischen mitbekommen haben, dass etwas nicht stimmt und gespannt herüberstarren, den Rücken zu.

Die Godi macht eine unauffällige Handbewegung in Richtung der Kleinen, als wolle sie eine Fliege verscheuchen. Die Männer bemerken es nicht. Die Tante kann nur leise beten, dass Mariechen versteht, was sie ihr sagen will. Wenn sie es denn gesehen hat. Eigentlich kaum möglich, so schlecht, wie ihr Augenlicht ist.

 Doch das Wunder geschieht. Mariechen begreift sofort. Sie schlüpft in ihre Schuhe, die sie zum Spielen ausgezogen hat, und saust zum Hoftor hinaus, so schnell die kleinen Füße sie tragen.

Als sie um die Ecke biegt, hört sie ihre Tante noch sagen: »Also, wenn Sie hier ein blindes Kind finden, dürfen Sie es mitnehmen.«

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Weihnachtsgruß & Ausblick 2021

Siehst du die Grenzen nicht, können sie dich nicht aufhalten …

Liebe Freunde und Bekannte,

Wir blicken zurück auf ein verrücktes Jahr.
Vieles Geplante konnten wir nicht machen,
Es war schon echt nicht mehr zum Lachen.
Covid-19 hat uns zum Innehalten gezwungen,
Trotzdem ist ganz viel gelungen.

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„Etwas zurückgeben“

Christof Müller bei der Premierenlesung im Felsenkeller des Zauberbergs in Kelkheim. Foto: Ch. Busch
Christof Müller bei der Premierenlesung:
„Siehst du die Grenzen nicht, können sie dich nicht aufhalten.
Eine blinde Familie beweist, dass man jedes Hindernis überwinden kann“
.

2019 im bene! Verlag von Droemer Knaur erschienen. Foto: Ch. Busch

Christof Müller (52) ist blind – und unterrichtet als Lehrer an einem ganz normalen Gymnasium.

Ein Sozialprotokoll von Jutta Hajek aus Publik-Forum 21/2020 vom 6.11.2020

Eine Lesung vor Straßenkindern in Mumbai

Die Kelkheimer Autorin Jutta Hajek las am 22.02.2020 mit ihrer Tochter Annika in einem Straßenkindercafé in Mumbai aus ihrem Buch „Siehst du die Grenzen nicht, können sie dich nicht aufhalten“.

Amins Team im „Bombay to Barcelona Library Café“

Die Welt ist ein Dorf und die Verbindung zwischen Kelkheim und Mumbai, das bis 1996 Bombay hieß, eng und gut. Seit die Kelkheimer Übersetzerin und Autorin Jutta Hajek 2015 Amin Sheikhs Autobiografie „Ich war ein Junge auf den Straßen von Bombay“ ins Deutsche übersetzte, hat sie den Kontakt gehalten. Sie fieberte mit, als Amin Räume suchte, um seinen großen Traum zu erfüllen, ein Café zu gründen, in dem Straßenkinder Arbeit, Essen und Familienanschluss finden.

Unterstützen Sie Amin Sheikhs wertvolle Arbeit mit 1 Euro pro Monat über die Plattform: TEAMING.NET
DANKE!

Amin Sheikh im „Bombay to Barcelona Library Café“

Es war für den 39-Jährigen nicht leicht, denn die Mieten in Mumbai sind – wie er sagt – „so hoch wie auf dem Mond“. Ende Oktober 2019 ist es gelungen: Das „Bombay to Barcelona Library Café“ eröffnete im Stadtteil Marol. Jutta Hajek hat Amin Sheikh und sein Team dort mit ihrer Tochter Annika besucht und ihr erstes Buch einem begeisterten Publikum vorgestellt: „Siehst du die Grenzen nicht, können sie dich nicht aufhalten. Eine blinde Familie beweist, dass man jedes Hindernis überwinden kann“.

„Siehst du die Grenzen nicht, können sie dich nicht aufhalten. Eine blinde Familie beweist, dass man jedes Hindernis überwinden kann“ steht nun im Bücherregal des Straßenkinder-Cafés.

Wie konnte das gehen, wo das 2019 erschienene Erstlingswerk doch noch nicht auf Englisch erschienen ist? Die Autorin übertrug mehrere Kapitel ins Englische, las sie im Wechsel mit ihrer Tochter vor, zeigte Fotos der Familie, um die es im Buch geht und erzählte, wie sie auf die Idee kam, diese faszinierende Geschichte aufzuschreiben.

„Besonders gut fand ich, wie lebendig die Charaktere aus dem Buch wurden und wie viel wir zum Hintergrund erfahren haben“, lobte Afrid Patel aus dem Publikum. Eine andere Zuhörerin bat um das Mikrofon und bedankte sich bei den Kelkheimerinnen für die ermutigende und inspirierende Buchvorstellung.

Amin Sheikh vor dem Café mit seinem Sohn Jaan.
Sie bauen auf Ihre Unterstützung. Das Café ist momentan geschlossen, doch die Miete läuft weiter.

Zum Schluss halten alle Liedblätter in der Hand und singen gemeinsam „Heal the world, make it a better place …“ von Michael Jackson. Die Sonne ist inzwischen untergegangen, doch im Café ist es ganz hell. Strahlend machen die Gäste sich auf den Heimweg, nicht ohne vorher die köstlichen Pasta mit der „Pink Sauce“ und einen „Café Bonbon“ probiert zu haben – eine Spezialität aus Barcelona, wo Amins Frau Sara herstammt. Viele wollen wiederkommen, denn dieses Café ist ein Ort mit einer freundlichen Atmosphäre, in dem ausschließlich ehemalige Straßenkinder arbeiten. Die jungen Leute wären ohne Amin Sheikh und seine Familie heimatlos. Er gibt ihnen ein Zuhause und zeigt, wo es im Leben langgeht: hart arbeiten, andere respektieren, sie höflich, zuvorkommend behandeln und absolut zuverlässig sein.

Der Artikel erschien am 04.03.2020 in den Taunus-Nachrichten.

Neujahrslesung in Kelkheim:

Es war eine Freude, 130 Gäste zwei Stunden unterhalten zu dürfen am Sonntagnachmittag in der Alten Kirche Hornau. Danke allen fürs Kommen. Wir hatten eine wunderbare Zeit … Ein paar Auszüge aus E-Mails und Einträgen ins Gästebuch:

„Wunderschöne, emotionale Momente!“
„Eine wunderbare Lesung, die uns sehr berührt hat.“
„Der Nachmittag hat uns Kraft und Zuv
ersicht gegeben.“

„Eine wichtige Arbeit für Menschen, die Umwege gehen, die kämpfen und mit Ungerechtigkeiten umgehen müssen: Stimme geben, Umdenken fördern, Mut machen… Toll.“

„Das gelebte Beispiel von „Mariechen & Christof“ hat uns beeindruckt, gefreut und auch nachdenklich gestimmt.
Es war alles so stimmig arrangiert – ein grosses Kompliment an Dich und alle, die dazu beigetragen haben.“

Vielen herzlichen Dank an das Kulturreferat der Stadt Kelkheim, Dr. Beate Matuschek und Annette Vankov, die diese Veranstaltung ermöglicht haben und an Stadtverordnetenvorsteher Wolf-Dieter Hasler für die Begrüßung.

Marco und Ronja, ein starkes Team

Ein großes Dankeschön den Spendern, auch im Namen des Vereins und der Familie, der die Unterstützung zugute kommt! Die an der Lesung gesammelten knapp 500 Euro gehen an den Verein „Hunde für Handicaps“. Sie fließen in die Ausbildung eines Assistenzhundes für Marco, einen jungen Kelkheimer, der im Rollstuhl sitzt. Wer noch spenden möchte, kann das hier: Ronja und Marco

Siehst du die Grenzen nicht, können sie dich nicht aufhalten

Siehst du die Grenzen nicht, können sie dich nicht aufhalten

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

mein Buch ist 2019 im bene! Verlag von Droemer Knaur erschienen.

Ich lade Sie herzlich ein zu meiner Neujahrslesung am
Sonntag, den 26. Januar 2020 um 16 Uhr in der Alten Kirche Hornau, Rotlintallee 10, 65779 Kelkheim!

Das Buch ist auch in Punktschrift im Blindenschrift-Verlag Pauline von Mallinckrodt in Bonn zu bestellen (PN, E-Mail info@pader-braille.de oder Tel. +49 (0) 228 559 49 20 ). Außerdem ist es als Hörbuch über die Katholische Blindenbücherei Bonn für sehbehinderte, blinde und lesebehinderte Menschen, die Mitglied in einer Hörbücherei sind, kostenlos auszuleihen (Tel: 0228 – 55 94 9 – 0).

Lesungstermine hier

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