„Was wir tun, können wir nicht ohne den Heiligen Geist“

Ankunft an der Edith Stein Kirche

Ankunft an der Edith Stein Kirche

Sehbehinderte besuchen IN VIA Hamburg e.V., einen Fachverband der Caritas, der sich um jugendliche Einwanderer kümmert.

Betritt man die Edith-Stein-Kirche im Hamburger Stadtteil Allermöhe, fällt sofort das große Fensterbild rechts auf. Peter Beckwermert, pastoraler Mitarbeiter im Raum Bille-Elbe-Sachsenwald, begrüßt etwa 30 Gäste, die zur Internationalen Begegnungswoche der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Blindenvereinigungen im deutschen Sprachraum nach Hamburg gekommen sind. Sie beschäftigen sich in dieser Woche mit Migration und sind unter Begleitung von Dr. Burkhard Conrad, dem Koordinator für diözesane Flüchtlingsarbeit im Erzbistum Hamburg, zu IN VIA gekommen. Peter Beckwermert beschreibt das Fenster für die Nichtsehenden: das große, schwarze Kreuz in der Mitte, das nach innen und außen schaut; neben dem senkrechten Kreuzbalken gelbe und weiße Streifen auf beiden Seiten. An den Rändern scheinen schwarze Linien das Helle in der Mitte zu bedrohen.

Fensterkreuz der Edith Stein Kirche in Hamburg-Bergedorf

Fensterkreuz der Edith Stein Kirche in Hamburg-Bergedorf

Mehr Helligkeit, wo Not ist

„Es ist der Auftrag unserer Arbeit“, erklärt er, „dafür zu sorgen, dass mehr Helligkeit herrscht, wo Not ist.“ Anders als andere Kirchen in Hamburg sei die Edith-Stein-Kirche nicht versteckt, sondern gut zu finden: direkt gegenüber der S-Bahn-Station Nettelnburg. In diesem Stadtteil wohnen vor allem polnisch- und russischstämmige Einwanderer, berichtet er. „Wir beginnen den Tag hier in der Kirche, weil unsere Arbeit mit Gott zu tun hat. Was wir tun, können wir nicht ohne den Heiligen Geist“, erklärt er den Gästen und betet mit ihnen ein Vaterunser. Dann nimmt er sie mit hinaus durch die hohen Türen der runden Kirche. Im Flur warten Kinder der Tagesstätte, die ebenfalls im Haus am Edith-Stein-Platz untergebracht ist.

Projekte der Jugendhilfe von IN VIA

Verena Wörmann, Mitarbeiterin von IN VIA Hamburg, holt die blinden, sehbehinderten und sehenden Gäste an der Treppe ab und führt sie hinauf in den Galerieraum. Dort steht „Herzlich Willkommen!“ auf einer Tafel. Alle lassen sich nieder, gießen einander Getränke ein und naschen von den Pflaumen, die in Glasschalen vor ihnen stehen. Kindergeschrei flutet durch die offenen Fenster herein. Die junge Frau lacht und erzählt, der Raum der Kita, in dem die Kinder toben dürfen, sei über ihrem Büro. Sie berät bei IN VIA Jugendliche zwischen 12 und 27 Jahren und deren Familien. Zweimal pro Woche bietet sie eine offene Sprechstunde an. 14 geschlechtergetrennte Treffs, hauptsächlich für Frauen, organisiert der Verein. Jeden Dienstag gibt es bei IN VIA einen Frühstückstreff für Flüchtlingsfamilien, an dem die Mitarbeiter abwechselnd zu einer Hebammensprechstunde, Schwangerenberatung und Rechtsberatung einladen.

Verena Wörmann erzählt ihren Gästen von IN VIA

Verena Wörmann erzählt ihren Gästen von IN VIA

Fragen der Gäste

Ob die vielen eingewanderten Männer nicht zu kurz kämen bei so zahlreichen Angeboten nur für Frauen, will Christof Müller wissen. Verena Wörmann schüttelt den Kopf und berichtet von Aktivitäten für junge Männer, dass in der Berufsschule Stühle gebaut und Sportprojekte angeboten würden. „Die Ehrenamtlichen sind sehr engagiert“, lobt Wörmann. Sie erzählt, wie sie sich im Sprachunterricht oder bei der Wohnungssuche einbringen. Auch das „Wellcome Projekt“, das praktische Hilfe nach der Geburt eines Kindes leistet, wird von Ehrenamtlichen getragen. Margrita Appelhans, Vorstandsmitglied des Deutschen Katholischen Blindenwerks und Verantwortliche für die Woche in Hamburg, fragt, ob es viele Flüchtlinge mit Behinderung gebe. Verena Wörmann verneint, die Einwanderer, mit denen IN VIA arbeitet, seien eher traumatisiert. Ab und zu würde jedoch beispielsweise nach einer Brille gefragt, für die es aber keine Mittel gebe. Margrita Appelhans bietet ihr später an, sich wegen solcher Einzelfallhilfen an das Deutsche Katholische Blindenwerk zu wenden. Andrea Frass, Lehrerin in einem Blinden- und Sehbehindertenzentrum im Landkreis München, fragt nach der Bereitschaft der Flüchtlinge, Deutsch zu lernen. Die sei groß, berichtet Wörmann, denn die meisten möchten Deutsche kennen lernen, mit denen sie etwas unternehmen können. Weiter taucht die Frage auf, wie die Einwanderer über die Unterstützung durch IN VIA erfahren. Es gebe deutsch-arabische Flyer, so Wörmann, doch sie informiere mit einer Dolmetscherin auch persönlich in Flüchtlingsunterkünften. Schwer falle ihr zu akzeptieren, dass sie manchmal für die Flüchtlinge nichts erreichen könne, gibt die Mitarbeiterin von IN VIA zu. Wenn der Termin für die Anhörung zum Asylantrag erst in sechs Monaten sei, könne sie daran leider nichts ändern.

Mehr Info: http://www.blindenwerk.de; http://www.invia-deutschland.de; http://www.invia-hamburg.de

Der Artikel ist am 08.09.2016 in Ausgabe Nr. 107 der überregionalen Tageszeitung Die Tagespost erschienen und am 30.10.2016 in Ausgabe Nr. 44 der Neuen Kirchenzeitung Hamburg.

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