Stammtisch international

Natalia Feld erzählt, was ihr an ihrem Beruf als Übersetzerin gefällt.

Natalia Feld erzählt, was ihr an ihrem Beruf als Übersetzerin gefällt.

Ein Dutzend Mitglieder des Übersetzerstammtischs Vordertaunus haben sich im Gasthaus „Zum Weinberg“ getroffen, um das 20-jährige Bestehen zu feiern.

Natalia Feld wohnt in einem Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert in der Kronberger Altstadt, das sie mit ihrem Mann renoviert hat. Die 39-Jährige Diplom-Übersetzerin, die in Weißrussland aufgewachsen ist, war tagsüber in Hanau, wo sie einmal die Woche für einen Kunden dolmetscht. Auch in einer Kronberger Kanzlei ist sie tätig. Zweimal in der Woche unterrichtet sie Russisch an der Goethe-Universität in Frankfurt und nebenbei arbeitet sie an ihrer Doktorarbeit. „Mir gefällt die Vielfältigkeit der Aufgaben. Dass man in verschiedene Wissensbereiche eindringt und sich nirgends mehr ganz fremd fühlt, finde ich spannend“, beschreibt sie ihren Beruf als selbständige Übersetzerin. Am liebsten mag sie den Sprachunterricht an der Uni: eine „dankbare“ Tätigkeit, denn man sehe die Ergebnisse des eigenen Tuns sofort.

Heute geht Natalia Feld über das Kopfsteinpflaster der Kronberger Fußgängerzone hinüber in das Lokal „Zum Weinberg“, wo schon andere Mitglieder des Stammtischs Vordertaunus bei gespritztem Äppler in der „Guut Stubb“ beisammen sitzen und plaudern.

80 Prozent Frauen

Vier Männer sind unter den zwölf, was ungewöhnlich ist, denn der Frauenanteil im Verband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ), zu dem sie gehören, liegt bei knapp 80 Prozent. Weit über die Hälfte der Sprachmittler ist selbständig, denn feste Stellen sind rar. Sie arbeiten im direkten Auftrag für Kunden aus der Wirtschaft, für Behörden und Institutionen oder im Unterauftrag für Übersetzungsunternehmen.

„Grundsätzlich halten viele Kunden Übersetzen für eine anspruchslose Dienstleistung. Die Wertschätzung hält sich in Grenzen“, stellt Natalia Feld fest. Gerade bei Anfragen für Urkunden wünscht sie sich, dass Kunden sich im Vorfeld informieren, ob sie eine beglaubigte Übersetzung brauchen. Die Zahlungsmoral sei gut, die Preise aber unter Druck, da viele Kolleginnen bereit seien, für wenig Geld zu arbeiten.

Als Vorteil ihrer Selbständigkeit sieht Natalia Feld, dass man kreativ sein und schauen könne, wo die eigenen Stärken liegen. Der Stammtisch Vordertaunus bedeutet ihr viel, weil man als Anfängerin in das Berufsumfeld einbezogen wird.

Ihr „Baby“

„Sehr gut“ geht es Monika Seiermann, Übersetzerin für Englisch, an diesem Abend, an dem „ihr Baby“ 20 Jahre alt wird. Sie hat den Stammtisch Vordertaunus mit einer Kollegin gegründet. Das erste Treffen fand im Keller ihres Hauses in Schwalbach statt. Sich im Lokal zu treffen verwarfen die beiden, da damals dort noch geraucht wurde. Eine Kollegin hatte sich auf die Anzeige telefonisch gemeldet, eine andere per Brief. Die Kommunikationswege und ihr Tempo hätten sich seit der Gründung der Regionalgruppe des BDÜ doch sehr verändert, so Seiermann. Die Leitung des Stammtisches hat sie inzwischen abgegeben. Treffpunkt ist schon lange nicht mehr ihr Haus, sondern ein Raum in der Markus-Gemeinde in Kronberg-Schönberg, wo man jeden zweiten Monat zusammenkommt.

Heute ist ein Dreigestirn für den Stammtisch verantwortlich: Beate Hampel (Vertretung nach außen), Michael Schreck (Organisation) und Mechthild Röling (Administration). Angela von Frieling aus Frankfurt schätzt besonders die Struktur der Treffen. Es gibt eine Tagesordnung und die Gespräche konzentrieren sich auf berufsrelevante Themen wie Weiterbildung und Recherche. Kontakte für Zusammenarbeit ergeben sich, Informationen werden ausgetauscht, Fahrgemeinschaften zur Jahreshauptversammlung des Landesverbandes Hessen gebildet.

„Das BDÜ-Programm ist so vielfältig und spannend“, schwärmt Natalia Feld. Kürzlich hat sie von einem Steuerseminar profitiert und in der vorherigen Woche war sie bei einer Führung durch die Frankfurter Börse dabei. „Ich war überrascht, wie verständlich das ist, besonders für mich, da ich aus einer Planwirtschaft komme. Jetzt habe ich keine Berührungsängste mehr.“

Seit 60 Jahren vertritt der BDÜ (Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V.), mit über 7.500 Mitgliedern der größte Berufsverband der Branche in Europa, die Interessen seiner Mitglieder gegenüber der Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Justiz und Gesellschaft und bietet Fortbildungen an. Jedes Mitglied muss seine fachliche Qualifikation nachweisen. Auf der Website http://www.bdue.de können Kunden gezielt nach Übersetzern und Dolmetschern in ihrer Nähe mit dem passenden Fachgebiet suchen.

Der Artikel ist am 24.06.2016 in der Taunuszeitung erschienen: http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hochtaunus/vordertaunus/Stammtisch-international;art48711,2075885

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