Effektiv mit Menschen aus anderen Kulturen zusammenarbeiten

Workshop zu interkultureller Kommunikation organisiert vom Stammtisch Vordertaunus des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ)

Schon auf der Gasse vor dem Brauhaus in Oberursel lassen Schilder mit „Gänsekeule mit Rotkraut und Knödeln“ oder „Rinderschmorbraten mit Spätzle“ einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Der Essensduft im Gasthaus, zwingt diejenigen, die noch nicht zu Abend gegessen haben, sich wenigstens schon einmal eine Brezel einzuverleiben, denn es gilt: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.


Zusammengefunden haben wir 16 Mitglieder des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) uns am 26. November 2014 vor allem, um vom Leiter des Workshops über interkulturelle Kommunikation zu erfahren, warum Kunden oder Kollegen aus anderen Kulturkreisen so reden und handeln, wie es nun einmal ist. Bald zeigt sich, dass das Seminar mit Gottfried Klein von CultureCom, einer Firma, die interkulturelle Kompetenz vermittelt, zum Vergnügen des Abends gezählt werden kann. Wir amüsieren uns über die Übersetzung der Gebrauchsanleitung für eine PC-Tastatur: „Schnörkel aufwärts“ für „scroll up“; „Schriftleiter“ für „editor“; „Heimschieber“ für „shift home“. Dass interkulturelles Training nicht überflüssig ist, wird besonders deutlich, wenn man die Statistik anschaut: 12.400 Unternehmen aus 26 verschiedenen Ländern haben Ihren Sitz im Bereich der IHK Frankfurt. Das heißt, fast jedes siebte Unternehmen stammt aus einem Land und Kulturkreis außerhalb Deutschlands.

An einem einfachen Beispiel sehen wir, wie sich die Sprache an der Kultur orientiert. Wenn ein Deutscher ein verbranntes Schnitzel mit Pommes bekommt, meldet er dem Kellner zurück: „Das Schnitzel war verbrannt.“ Passiert einem Japaner das Gleiche, wird er sagen: „Die Pommes Frites waren sehr gut.“ Geschieht das in Deutschland, versteht der Kellner die Botschaft des Japaners wahrscheinlich nicht. Geschieht es in Japan, wird der Koch entlassen.

Auch innerhalb einer Nation gibt es kulturelle Unterschiede. Ein Teilnehmer fragt, ob man bei Übersetzungen aus dem Deutschen recherchieren müsse, aus welchem regionalen Hintergrund jemand komme. Gottfried Klein neigt als Trainer dazu, die Nation als Ganzes zu sehen. Nach seiner schnellen Sprechgeschwindigkeit zu urteilen, müsste er eigentlich aus Brasilien oder Mexiko stammen. Er selbst bezeichnet sich jedoch als typischen Deutschen: Diese sprechen normalerweise wenig in mittlerer Geschwindigkeit, sind höflich, aber direkt und arbeiten einen Auftrag nach dem anderen ab. Verträge sind bindend. Dies sind die Kennzeichen der „linear Aktiven“. Zu ihnen gehören nach dem Modell von Richard Lewis auch die Schweizer und Luxemburger. Südamerikaner, romanische Völker, Afrikaner und Slawen rechnet Lewis den „Multiaktiven“ zu. Sie sprechen viel und schnell, sind emotional und arbeiten an mehreren Aufgaben gleichzeitig. Verträge sind für sie „ideale Objekte in einer idealen Welt“, also nicht unbedingt bindend. Menschen aus „reaktiven“ Kulturen hören zu, sprechen langsam und planen langfristig. Neben asiatischen Kulturen gehören auch die Finnen dazu.

Laut Gottfried Klein ist es für Manager sinnvoll, die Nationen nach ihren Stärken einzusetzen. Gibt es ein Problem mit einem Kunden in Italien, ist es sinnvoll, einen Italiener hinzuschicken, um eine Lösung zu finden. Dass andere Kulturen ein anderes Verständnis von Zeit haben, hat sich inzwischen herumgesprochen. Dass aber zum Beispiel eine indische Minute zwei deutschen Minuten entspricht oder ein mexikanischer Gastgeber, der für acht Uhr einlädt, Gäste nicht vor zehn erwartet, ist noch nicht allgemein bekannt.

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen nehmen konkrete Tipps für die Leitung internationaler Teams und für Vertragsverhandlungen mit. Eine gemeinsame Sprache festzulegen und auf die Einhaltung zu pochen ist wichtig, damit sich niemand ausgegrenzt fühlt. Den Zeitrahmen für multinationale Teams flexibler zu planen und die Stärken und Schwächen der einzelnen Nationalitäten zu kennen, empfiehlt sich auf jeden Fall. Bloß nicht einem Japaner gegenüber mit dem Preis immer weiter nach unten gehen. Wenn er nichts sagt, stimmt er zu.

Erschienen im Hessen-Info des BDÜ (01/2015)

Informationen zu Workshops: http://www.culturecom.eu
Modell der Kulturen von Richard Lewis: http://www.crossculture.com

 

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