Von der Freude, Christ zu sein

Missio-Diözesanreferentin Jacqueline Schlesinger wird mit einer Blüte begrüßt.

Missio-Diözesanreferentin Jacqueline Schlesinger wird mit einer Blüte begrüßt.

17 Christinnen und Christen, vorwiegend aus dem Bistum Limburg, machten sich Mitte Februar nach Indien auf, um dort für zwei Wochen Kleine Christliche Gemeinschaften (KCG) zu erkunden. Sie sind mit einem Schatz an Eindrücken zurückgekehrt.

„Wie funktionieren KCGs in Indien?“, wollten die Deutschen in Mumbai und Thrissur herausfinden und: „Welche Inspirationen können wir mitnehmen?“. missio fördert den Aufbau von Kleinen Christlichen Gemeinschaften in Deutschland seit vielen Jahren. Seit 2008 „erprobt und etabliert“ der Pastorale Raum Kelkheim-Fischbach-Liederbach diesen Weg zu lebendigen Gemeinden. Seit 2012 liegt dafür der offizielle Auftrag des Bischofs vor. Marita Nazareth aus Mumbai ist immer wieder im Bistum unterwegs, um den Prozess zu unterstützen.

„Indem wir am Leib Christi teilhaben, werden wir ein Leib“

Bei einem Besuch im Priesterseminar von Mumbai, den Marita Nazareth neben zahlreichen anderen Begegnungen eingefädelt hat, berichtet Bischof Bosco Penha, dass die Menschen in Mumbai sich vor der Einführung von KCGs von der Kirche allein gelassen fühlten. Ziel war, sie zum Mitmachen zu bewegen und den Ansatz einer partizipativen Kirche zu entwickeln. „Die Eucharistie ist eine Einladung an alle, als Familie zu leben. Indem wir am Leib Christi teilhaben, werden wir ein Leib“, erklärt Bischof Bosco. Bei der ersten Synode 1980 in Mumbai habe jemand von Basisgemeinden in Brasilien erzählt. Das Echo war positiv und man beauftragte Bosco Penha, damals Leiter des Priesterseminars und später Weihbischof, mit der Einführung von KCGs. Die Gemeinden wurden offiziell in Nachbarschaftsgruppen – Kleine Christliche Gemeinschaften – eingeteilt. Heute gibt es in Mumbai über 2.000 KCGs, die von „Animatoren“ (meist Frauen oder Senioren) geleitet werden. Jeder von ihnen besucht monatlich zehn Familien in der Nachbarschaft, für die er zuständig ist. In Leitergruppen treffen sie sich zum Bibelteilen, organisieren gemeinsam Feste, Kranken- und Altenbesuche, gemeinsames Beten, liturgische Dienste, Weiterbildung und vieles mehr.

Treffen mit Bischof Agnelo Gracias

Bischof Agnelo Gracias erzählt von positiven Entwicklungen, aber auch von Herausforderungen. Er berichtet, dass sich heute mehr Katholiken ins Gemeindeleben einbringen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl unter Nachbarn sei gewachsen. Viel mehr Menschen lesen in der Bibel als früher und tauschen sich über ihren Glauben aus. Auf der anderen Seite bedauert er, dass die Animatoren sich regelmäßig treffen, nicht jedoch die Basisgruppen. Kleine Christliche Gemeinschaften kümmern sich meist um die Bedürfnisse ihrer Mitglieder, sehen aber nicht immer die Nöte anderer Gruppen. KCGs sind ein gutes Netzwerk, aber noch nicht der Dreh- und Angelpunkt aller Gemeindeaktivitäten, wie es sich Bischof Bosco gewünscht hatte. Trotzdem: Was vor mehr als 30 Jahren bei einer Bischofssynode in Mumbai als Idee begann, ist inzwischen offizieller pastoraler Ansatz für alle 161 Diözesen Indiens und gilt asienweit.

Reflexion in Kerala

Nach vielen Eindrücken in Mumbai denken die Gäste in der zweiten Woche in Kerala gemeinsam darüber nach, was auch in Deutschland funktionieren könnte. Gabriel Benz aus der Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit in Fischbach stellt sich vor, dass Kleine Christliche Gemeinschaften als Ergänzung zu den gewachsenen Strukturen entstehen, als Netzwerk für Menschen, die sich mit Bibel und Glauben auseinandersetzen wollen. Gemeindereferentin Sandra Anker aus St. Ursula in Oberursel-Steinbach wünscht sich, „dass wir im Bistum Limburg anfangen, nach vorne zu denken, anstatt den Konkurs zu verwalten.“ Die Freude, Christ zu sein, solle ausstrahlen und die Menschen einander Liebe und Aufmerksamkeit schenken. Alle sind berührt von der indischen Gastfreundschaft, vom offenen Austausch und der liebevollen Atmosphäre. Jacqueline Schlesinger, missio-Diözesanreferentin im Bistum Limburg, und Matthias Struth, Seelsorger der Uniklinik Frankfurt, haben die Reise organisiert, die Gruppe während der zwei Wochen geleitet und mit den Begleitern vor Ort einen Schatz an Eindrücken ermöglicht, der nun seine Wirkung im Bistum Limburg entfalten kann.

Hintergrund

„Kleine Christliche Gemeinschaften (KCG) sind eine Verwirklichungsform von Kirche im Kleinen, die im Dienst am Kommen des Reiches Gottes steht“, heißt es im Grundsatzpapier des Nationalteams (2008). Die Mitglieder treffen sich regelmäßig in der Nachbarschaft zum Teilen des Wortes Gottes, das als Liturgie in sieben Schritten gefeiert wird. Sie nehmen die Bedürfnisse der Mitmenschen in ihrem Umfeld wahr, engagieren sich diakonisch und bringen ihre Begabungen in die Gemeinde ein. Dieses pastorale Konzept wurde im Lumko-Pastoral-Institut in Südafrika vom deutschen Bischof Fritz Lobinger entwickelt, um das Kirchenbild des Zweiten Vatikanischen Konzils, das dem gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen traut, in die Praxis umzusetzen. In Asien und Afrika ist diese Form des Kircheseins seit dem Konzil verbreitet. Impulse in Richtung KCG werden seit mehr als 25 Jahren auch im deutschsprachigen Raum aufgenommen.

Mehr Informationen: http://www.kcg-net.eu

PDF des Artikels, wie er auf Seite 12 der Bistumszeitung „Der Sonntag“ am 25.05.2014 erschienen ist.

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