Eintauchen in die Maya-Kultur auf Yukatan

Die Wahrsagerpyramide in Uxmal

Die Wahrsagerpyramide in Uxmal

„Und wenn wir die ganze Welt durchreisen, um das Schöne zu finden: Wir müssen es in uns tragen, sonst finden wir es nicht“, schrieb der amerikanische Philosoph Ralph Waldo Emerson. Trägt man es aber in sich, dann kann man es sicher auf Yukatan finden. So viele Maya-Ruinen gibt es dort, dass sie aneinander gelegt die mexikanische Halbinsel bedecken würden.

Nirgends liegen die Ausgrabungsorte von Maya-Siedlungen so nahe beieinander wie auf Yukatan. Die Halbinsel trennt den Golf von Mexiko vom karibischen Meer. Den harten Kalkstein aus den Grotten Yukatans nutzten die Mayas, um Paläste und Tempel zu bauen. Die Ausgrabungsstätte Tulum besticht durch ihre Lage am türkisblauen karibischen Meer, Chichen Itza mit dem größten Areal für Ballspiele in ganz Mesoamerika –Verlierer wurden geköpft – und Ek Balam durch seine einzigartige Architektur.

Besonders in seinen Bann zieht jedoch Uxmal, ausgesprochen „Usch-mahl“. Das bedeutet „dreimal erbaut“. Diese Kultstätte liegt etwa 80 Kilometer südlich von Mérida und gehört zu den schönsten der Maya-Kultur auf Yukatan. Die Stadt mit 15 Gebäudegruppen auf weitläufigem Areal ist eingebettet die sanften Hügel der Puuc-Region. Sie haben dem Puuc-Architekturstil seinen Namen gegeben. Direkt gegenüber der archäologischen Stätte liegt das Hotel Uxmal Lodge. „Schauen Sie mal!“, ruft der Junge, der die Gäste empfängt. Tatsächlich, von der Terrasse aus sieht man eine große Pyramide! Am Eingang der Maya-Stadt gibt es ein Museum, das den Fortschritt bei den Ausgrabungen in Bildern und Texten darstellt. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Noch immer werden Bauten restauriert. Will man von einem einheimischen Führer zu den Ruinen begleitet werden, kann man im Gelände ein günstigeres Angebot bekommen als vor dem Eingang. Sonnenschutz und Insektenspray sollte man dabei haben, wenn man sich auf den Weg zur ersten großen Attraktion, der Wahrsagerpyramide macht.

Ruhe zum Erkunden

In der Nähe von Uxmal wohnte eine alte Frau, die als Hexe beschimpft wurde, so die Legende. Sie habe eines Tages ein Ei gefunden, aus dem ein Junge schlüpfte, der bald aufhörte zu wachsen. Der Zwerg konnte nach der Legende die Zukunft vorhersagen. Er forderte den damaligen König heraus und gewann. Er wurde der neue König. Es heißt, der Wahrsager-Zwerg habe die über 35 Meter hohe, steile Pyramide als neuen Palast in einer einzigen Nacht erbaut. Forscher fanden jedoch heraus, dass sie in verschiedenen Bauepochen entstand.

Das Nonnenviereck reflektiert die Sonne. Ein sandfarbener Hund hat sich auf der Treppe zusammen gerollt und hält Mittagsschlaf. Das Viereck steht auf einer vier Meter hohen und 100 Meter langen Plattform. Diesen Platz säumen vier völlig verschiedene, reich verzierte Gebäude. Hier feierten die Einwohner die großen Feste. Eindrucksvoll schaut die gefiederte Schlange von der Fassade des westlichen Tempels herab. Fledermäuse fiepen in dunklen Räumen.

„Hier ist es viel schöner als in Chichen Itza“, begeistert sich eine Familie aus dem Norden Mexikos. Die Frau ruht sich auf einer Holzbank im Schatten aus, während Mann und Kinder die steile „Große Pyramide“ erklimmen, die aus dem 8. Jahrhundert stammt. Die Ruhe zum Erkunden, ohne ständig von Andenken-Verkäufern angesprochen zu werden, tut gut. Es gibt nur einen offiziellen Laden am Eingang, sonst bleibt der Kommerz draußen. Eintauchen in die Atmosphäre der Stätte ist hier ohne Störung möglich. Ohne Führung, nur mit Büchern ausgerüstet, kann man im eigenen Rhythmus erspüren, was diese alte Kultur bis heute ausstrahlt: Stolz, Kenntnis und mystische Kraft. Der Duft von wildem Estragon und Blüten, die von handtellergroßen orangen und gelben Schmetterlingen besucht werden, das saftige dunkelgrüne Gras und die hohen Bäume um die Ruinen verleiten zum Träumen von einer vergangenen Zeit. Südwestlich der Großen Pyramide steht ein halb verfallenes Gebäude, in dem sich wahrscheinlich Wohnungen befanden. Mit seinen Zackensimsen und kleinen Fenstern erinnert es an ein Taubenhaus. So heißt es heute auch: El Palomar.

Leguan in Uxmal

Reich mit Ornamenten verziert ist der nahe Gouverneurspalast. Dort wohnte der König von Uxmal, bevor der Wahrsager-Zwerg seinen Palast erbaute. Auf dem Absatz vor der Treppe sonnt sich ein stattlicher Leguan. Er nickt mit seinem smaragdgrünen Kopf, als wolle er klarstellen: „Ja, mir gehört dieser Ort!“ Auf der Wiese vor dem Palast steht der „Thron des zweiköpfigen Jaguars“. Der steinerne Sitz besteht aus zwei Jaguaren, die an der Brust zusammen gewachsen sind. Der eine Kopf schaut nach Norden, der andere nach Süden. Der Jaguar – „Balam“ – wurde von den Mayas als besonders kriegerisch und königlich verehrt.

Uxmal bei Nacht erleben

Bewahrt man nach dem Besuch die Eintrittskarten zur Ausgrabungsstätte auf, dann kann man am Abend damit noch etwas Besonderes erleben: die Licht-und-Klang-Schau. Die Milchstraße über den Köpfen sitzen die Besucher auf Plastikstühlen vor einem Tempel des Nonnenvierecks. Es ist stockfinster. Grillen zirpen. Nebenan knuspert ein Franzose Chips und trinkt Bier. Dann schläft er ein. Die Show kann nicht schuld sein: Auf Spanisch – oder in Übersetzung, die gibt es über Kopfhörer – erzählt die Stimme aus dem Lautsprecher die Geschichte vom Aufstieg und Fall Uxmals, vom verzweifelten Beten zum Regengott Chaac um das lebensnotwendige Nass. Donnergrollen, Regenprasseln deuten an, dass das Gebet erhört wurde. Mal erstrahlt dieser, mal jener Tempel in rot, blau oder gelb, während sich die Zuhörer von Legenden, wie der um den glutäugigen Prinzen von Chichen Itza fesseln lassen, der sich in die Prinzessin Sac-Nicte von Uxmal verliebte. Sie musste jedoch einen anderen heiraten. Der Prinz entführte sie deshalb noch während der Hochzeit, was einen Krieg entfesselte. Kriege sind ein Grund dafür, warum die Maya-Kultur im 11. Jahrhundert unterging. Naturkatastrophen oder Überbevölkerung haben wohl ebenfalls beigetragen.

Sicherheit und Reisezeit

Die beliebteste Reisezeit für Mexiko ist die Trockenzeit von November bis April. Dann sind die Tage mit 23 bis 30 Grad angenehm warm bei niedriger Luftfeuchtigkeit. In der Regenzeit zwischen Mai und Oktober wird es sehr heiß und feucht. Hin und wieder regnet es kurz, aber heftig. Das Wasser bleibt nach extremen Regenfällen eine Weile in den Straßen stehen. Die Einheimischen waten lachend durch die braune Brühe. Vorteil in der Nebensaison ist, dass man nirgends anstehen muss. Wer eine Rundreise bucht oder einen Wagen mietet, kann in ein bis zwei Wochen die wichtigsten Maya-Stätten auf Yukatan besuchen. Auf eigene Faust reisen ist nur empfehlenswert, wenn man Spanisch kann. Viele Einheimische sprechen wenig Englisch. Freundlich empfangen sie Touristen so oder so. Ihre Lebensfreude steckt an. Mexiko ist es in den vergangenen zwei Jahren durch die gezielte Bekämpfung von Armut gelungen, die Kriminalität deutlich zu senken. Statistiken zufolge ist die Halbinsel Yukatan heute so sicher wie Belgien.

Quellen: Reiseführer „Mexiko”, Mairdumont, 2013 und „Das Archäologische Yukatan“, Dante, 2011; „akzente“,
GIZ-Magazin, Ausgabe 03/13

Der Artikel ist am 11.01.2014 in Die Tagespost, Ausgabe Nr. 5 erschienen.

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