Das Beste kommt zum Schluss

Als langjähriges Mitglied eines Frankfurter Redeclubs habe ich einen Beitrag für den Blog einer Toastmasters-Kollegin verfasst. Dabei ging es um die Dramaturgie einer guten Rede.

Wie lege ich meine Rede an, dass meine Botschaft optimal ankommt? Gibt es eine Strategie, die mir hilft, die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu halten? Muss ich wirklich alles akribisch üben? Wie kann ich …

… Ein Licht anzünden

Alle sagen: Der Anfang ist wichtig, wenn ich einem Publikum etwas erklären, es inspirieren oder überzeugen will. Ist er ja auch. Also mit einer Frage starten oder mit einer spannenden Ankündigung. Vorher sollte ich mir überlegen: Wo steht mein Publikum? Wie kann ich es dort abholen? Wem es nicht gelingt, die Zuhörer und Zuhörerinnen innerhalb der ersten Minute zu interessieren, in seine Rede einzubinden und ihnen klar zu machen, dass sie einen Nutzen davon haben, wenn sie zuhören, der hat verloren. Was verloren? Die Aufmerksamkeit und damit die Chance, seine Botschaft herüberzubringen. Freundlich nickend werden die Anwesenden ins Reich der Träume abdriften, ans heimische Sofa denken, ans Bierchen gleich im Anschluss, und vielleicht schon mal die Augen schließen in Vorfreude. An das, was der Redner gesagt hat, wird sich hinterher keiner mehr erinnern. Wichtig ist also, ein Streichholz anzuzünden, neugierig zu machen. Ratsch!

… Es am Brennen halten

Doch so ein Streichhölzchen ist schnell abgebrannt. Aufmerksamkeit ist so schnell vertan wie gewonnen. Das darf nicht passieren. Genauso wenig wie am Anfang, dürfen die Gedanken während der Rede abwandern. Wie erreiche ich das? Indem ich eine klare Struktur anbiete, in der jeder weiß, wo er sich befindet. Keine Schnörkel! Weniger ist mehr. Die Punkte, die ich bringe, untermauere ich mit farbigen, klangvollen Beispielen, mitten aus dem Leben, wie es jeder kennt. Wenn ich mich traue, aus meinem Leben. Das kommt gut an. Bilder malen mit Worten ist es, was Zuhörer fasziniert. Diese Bilder mit Gesten und Bewegung untermauern, denn Bilder bleiben hängen. Bevor das Streichholz erlischt, entzünde ich damit eine Kerze. Natürlich nur in meiner Vorstellung.

Feuerwerk!

Nun geht es zum Endspurt. Mein Publikum ist ganz bei mir und ich bei ihm. Keiner kann den Blick abwenden. Ich halte die Kerze hoch – doch Stopp – Endspurt heißt nicht durch galoppieren! Pausen sind wichtig, damit das, was ich sage, einsinken kann. Für den maximalen Effekt. Ich bremse mich also.
Damit ich am Schluss nicht in Zeitnot gerate, habe ich mich gründlich vorbereitet und meinen Vortrag mit der Uhr geübt. Wieder und wieder. Nichts ist schlimmer, als wenn einer guten Rede am Schluss die Puste ausgeht, weil die Zeit um ist, bevor die eigentliche Botschaft kommt. Also: Genügend Zeit aufheben für das Finale und es besonders gut einstudieren. Der Schluss bleibt im Gedächtnis. Deshalb als Service für das Publikum die wichtigsten Punkte noch einmal zusammenfassen:

• Ansprechenden Anfang finden
• Klare Struktur
• Spannung halten durch Bilder
• Weniger ist mehr
• Pausen machen
• Zeitmanagement üben
• Das Beste für den Schluss aufheben

Besonders in den Schluss Enthusiasmus hineinlegen, zeigen, wie wichtig mir das ist, was ich mit meinem Publikum teile. Die Botschaft schließlich mit dem kraftvollsten, dem absoluten Mega-Argument an die Zuhörer bringen, die Kerze an eine Rakete halten, zünden. Bammmmmmmmmmm!
Diese Rede vergisst keiner.
Strahlend da stehen,
sich über den tosenden Applaus freuen –
fertig.

Wer mehr zum Thema wissen oder öffentliche Rede üben möchte, dem kann ich den englischsprachigen Redeklubs Esprit de Corps Toastmasters in Frankfurt empfehlen.

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